Ein Interview mit Sharon was mir Freundlichweise von Ingo, Redakteur auf  http://www.whiskey-soda.de zur Verfügung gestellt wird. Danke dafür.

Within Temptation – Intime Bekenntnisse der Sharon den A. / Das A-Team des Gothic Metal live in Berlin

   
Welchen Status sich die sympathischen Niederländer Within Temptation seit dem Re-Release ihres Hit-Albums "Mother Earth" erarbeitet haben, ließ sich am Samstag in Berlin leicht erahnen. Als sich der Verfasser dieser Zeilen um 16 Uhr zum Interviewtermin mit Sharon den Adel vor der Columbiahalle einfand, harrten bereits zwei weibliche Fans zusammengekauert im Regen vor dem Veranstaltungsort aus, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Wohlgemerkt begann dabei erst um 20 Uhr die Vorband Autumn ihr Tageswerk. Doch wird sich das Warten für die beiden Hardcore-Anhänger gelohnt haben, denn Within Temptation begeisterten mit ihrer "The Silent Force"–Tour.
   
 
 

Vor dem Konzert nahm sich die Frontfrau ausreichend Zeit, um die brennenden Fragen zur aktuellen Situation der Band, aber auch Vergangenes und Zukünftiges zu beleuchten. Trotz des massiven Erfolges sowie mehrerer Edelmetall-Auszeichnungen aus Deutschland im Gepäck war von Star-Allüren oder Arroganz überhaupt keine Spur, im Gegenteil. Entspannte Atmosphäre backstage, Freundlichkeit allerorts und nach fünf Minuten Warten kam sogar Drummer Stephen van Haestregt, um sich für Frau den Adel zu entschuldigen, da sie noch mit einem Telefoninterview beschäftigt war. Dicker Pluspunkt für die Band, die trotz dem Stress, der mit einem Tourauftakt verbunden ist, äußerst zuvorkommend, fast schon schüchtern erschien. "Die Shows, die wir jetzt schon gespielt haben, liefen wirklich sehr gut. Das haben wir so nicht erwartet. Wenn man als Hauptakt startet, ohne eine Vorband zu haben, denkt man, die Leute müssten noch aufgewärmt werden. Doch sie waren von Beginn an dabei und sehr enthusiastisch. Ich hoffe, dass der Rest der Tour genauso läuft, dass wäre wie in einem Traum!" lacht Sharon zu Beginn des Interviews leicht verschnupft.

Dabei ging die Band ein gewisses Risiko ein, mit "The Silent Force" ein nicht komplett identisches "Mother Earth II" zu veröffentlichen, was sicher der Weg des geringsten Widerstandes gewesen wäre. Statt der Blaupause integrierten die Niederländer in die ohnehin schon bombastischen Kompositionen ein russisches Orchester, was noch mehr Wucht verlieh und wurden mit den neuen Songs auf der einen Seite düsterer, auf der anderen Seite auch mainstream-lastiger, ohne ihre Gothic-Wurzeln zu vernachlässigen. "Ich denke schon, dass wir auf unsere Art eine Blaupause benutzt haben, sodass dieselben Einflüsse wiederkehrten. Wir waren schon immer eine orchestrale Band, die die Orchestersounds nutzt. Diesmal war es halt ein richtiges Orchester und eine völlig andere Art der Produktion. Doch haben die Songs immer noch die gleichen bombastischen Referenzen und erzählen eine Geschichte. Natürlich ist es nicht das gleiche Album geworden, niemand will die gleiche Platte zweimal aufnehmen. "Mother Earth" ist ein gutes Album, doch sollte jede Scheibe für sich einzigartig sein und deshalb haben wir auch wieder Sachen verändert. Wir haben also nicht die genaue Blaupause von "Mother Earth" benutzt, aber so weit entfernt sind die Alben nicht voneinander!" relativiert die Sängerin das Risiko.
   
Die Zeit zwischen dem Re-Release von "Mother Earth" und den Vorbereitungen für "The Silent Force" gestaltete sich für die Band wie ein Traum. Mit "Ice Queen" und dem Titeltrack waren unsere Nachbarn hierzulande plötzlich in aller Munde, die Platte ging wie geschnitten Brot, die Videoclips liefen die Musikkanäle hoch und runter und auch auf so manchen Pop-Events gab man die Visitenkarte ab. "Wir waren vor dem Re-Release mit der Platte ja schon in Holland erfolgreich, also war das jetzt nicht etwas vollkommen neues für uns, aber es war auch nicht etwas, was man erwartet hat! Wir wollten natürlich in Deutschland auf Tour gehen, dass die Plattenfirma eine Menge Promotion macht. Manchmal kommt man in die Charts, manchmal nicht. Das ist bei jeder Band anders. Ich denke, der Underground hat uns auch viel geholfen. Die Leute kauften die Platte, weil sie dann das erste Mal erhältlich war. Und wenn viele Leute gleichzeitig die Platte kaufen, dann kommt man halt in die Charts. Das war aber nicht unser Ziel, haha. Die Leute hatten die Möglichkeit das Album zu kaufen und alles geschah auf einmal...Der Underground kann schon eine ganz schöne Kraft haben." blickt Sharon bescheiden auf den Beginn des kometenhaften Aufstiegs zurück.
 
   

Was allerdings für das Selbstvertrauen der Band spricht ist die Tatsache, dass Within Temptation in einer Zeit, wo jeder ein Orchester-Album auf den Markt bringt, diesen Schritt ebenso begingen, auch auf die Gefahr des Vorwurfs der Trittbrettfahrerei. "Für uns zählt nur die Frage, ob wir in der Lage sind, einen neuen Song zu schreiben, möglichst auch noch einen guten! Wenn man dann noch ein Album schreibt, was einem selbst gefällt, dann ist das wirklich gut. Hört man nur auf die anderen, was sie versuchen einem zu sagen, kann man nichts mehr machen, denn jeder sagt Dir etwas anderes. Das einzige, was zählt, ist was Du magst, was Du in der Vergangenheit gemacht hast. Auf diese Erfahrungen muss man aufbauen. Und wenn ich ein Album mag, mögen es die Fans vielleicht auch und wenn nicht, dann mag ich es immer noch!" erklärt die sympathische Sängerin. "Ich denke die ganze Welt hat mittlerweile ein Album mit einem echten Orchester aufgenommen. Das ist aber kein Grund für uns, das nicht zu tun! Es ist doch schön, wenn man die Möglichkeit hat, mit einem echten Orchester aufzunehmen, wenn das Budget hoch genug ist. Wir nutzten schon immer diese Orchester-Sounds, somit war das kein großer Unterschied für uns, nur dass wir nun die Mittel hatten, mit einem echten Orchester aufzunehmen. Auf "Mother Earth" haben wir das alles mit Keyboards realisiert und es klang trotzdem großartig. Im Endeffekt haben wir das Orchester nur für uns aufgenommen, da die Mehrheit da keinen großen Unterschied hört! Ich denke, wenn man die Möglichkeit hat, dann soll man das machen und nur weil es andere Bands auch gemacht haben, ist das kein Grund für uns, nicht mit einem Orchester aufzunehmen..." lacht die Frontfrau mit der Vorliebe für wallende Kleider.

   
Dass Albumaufnahmen mit Orchester recht kostspielig sind, dürfte sich auch mittlerweile bis in den letzten Winkel der Welt herumgesprochen haben. Doch das Label G.U.N. zeigte sich für die Band sehr großzügig. "Das Budget war wirklich sehr hoch und wir haben alles bis zum letzten Penny ausgegeben. "The Silent Force" war die teuerste Produktion in Holland der letzten Jahre, denn das russische Orchester war wirklich sehr teuer. Doch wir dachten, vielleicht ist das die letzte Chance, ein so hohes Budget zu bekommen. Wir haben das Geld jetzt und haben uns somit diesen Traum verwirklicht. Wenn es nun in die Hose geht, müssen wir uns Jobs suchen, aber wir haben dieses Album gemacht." scherzt Sharon. Durch die Kraft des Internets konnten aber allerdings die Kosten gering gehalten werden. "Wir haben das Orchester nie getroffen, alles ging über mp3´s und so. Nur gab es ein Problem, als es bei ihnen einen Computer-Crash in der Hälfte des Aufnahmeprozesses gab und sie zu einem Internet-Cafe mussten, welches um 17 Uhr schloss. Durch die Zeitverschiebung gab es da ziemliche Probleme und sie konnten danach nichts mehr für uns tun, weil der Laden dann geschlossen hatte. Wir testeten mehrere Orchester in Deutschland, Belgien und in Russland. Dieses war es, welches am besten zu uns passte, da wir diesen Film-Sound haben wollten. Sie hatten in diesem Bereich Erfahrung, allerdings waren wir die erste Rock/Metal-Band, mit denen sie zusammen arbeiteten." berichtet Fräulein den Adel.
 
Dass das Ergebnis einschlug wie die vielzitierte Bombe, ist hinlänglich bekannt. Hits wie "Stand My Ground" oder "Memories" sorgten dafür, dass die Band nach "Mother Earth" das nächst höhere Level erreichte. Ein Grund dafür ist sicherlich auch die perfekt inszenierte Ausrichtung von Within Temptation auf ihre charismatische Frontfrau, während sich der männliche Teil der Band in Videos als auch Live-Auftritten eher dezent im Hintergrund hält. Sharon den Adel nutzt die Gelegenheit, ihre Mitstreiter kurz vorzustellen. "Unser Drummer Stephen ist Mr. Happy, er ist ein Film-Liebhaber und er liebt essen! Fleisch ist sein Lieblingsgericht! (sehr sympathisch...,A.d.V.) Ich erzähle jetzt nur die typischen Dinge, ok?" lacht Sharon. "Martijn ist unser Keyboarder, er hat zwei Identitäten! Plötzlich springt er herum und redet mit jedem. Er ist ein sehr lustiger Kerl! Jeroen, unser Bassist, ist der ruhige Typ in der Band, weil er den Bass spielt! Er ist immer relaxed und chilled. Wenn man nicht mit ihm spricht, sieht man ihn nicht, haha! Er ist ein Musikliebhaber und immer auf der Suche nach neuen Bands. Ruud, unser Gitarrist, ist der Casanova der Band, er ist wie Face vom A-Team, haha. Immer kommen die Mädchen zu ihm und himmeln ihn an. Er ist auch ein sehr lustiger Typ und imitiert ständig Leute. Wir haben wirklich sehr viele lustige Leute in der Band, fällt mir auf! Und dann ist da noch Robert, er ist ein wenig der Mastermind der Band und ein wirklich sehr, sehr netter Typ. Er ist ein netter, aber auch ernster Typ, der aber auch lustig sein kann. Ja, und dann bin da noch ich. Ich bin die Schwester, die Mutter der Band, die Sängerin und die Freundin von Robert. Ein wirklicher Fulltime-Job. Ich habe verschiedene Rollen für jeden in der Band zu erfüllen und erinnere alle an ihr Zeug. Ich mag Filme und bin sonst eine recht ruhige Person. Man sieht oder hört mich kaum, es sein denn ich rede die ganze Zeit, haha!" schließt Sharon die Vorstellungsrunde ab.
 
 
 

Ebenso unterschiedlich wie die Personen, die in ihrer Gesamtheit Within Temptation darstellen, fällt mittlerweile auch die Setlist der Band aus, in denen sich klassische, harsche Gothic Metal-Duette wie das geniale "Enter" an moderne, dunkle Rock-Nummern wie "Stand My Ground" reihen. Doch wie nimmt das der Fan, der die Band erst neulich entdeckte, auf? "Ich denke nicht, dass die neuen Fans Probleme mit den alten Nummern haben, denn "Stand My Ground" ist auch ein heavy, bombastischer Song. Wenn sie diesen Song nicht kennen ist es ein guter Weg, diese Leute in den Metal einzuführen! Sie sagen sich "Enter", ok, den kann man sich ja mal besorgen. So war es bei mir, als ich mit Robert zusammen gekommen bin. Davor war nicht im Metal drin! Ich war in einer Blues Rock-Band, die Van Halen-Songs gespielt hat. Ich wuchs mit einer Menge Musik auf, da meine Eltern sich viel alternatives Zeug angehört haben wie Santana, Pink Floyd. Robert öffnete mir die Augen für Paradise Lost und Type O Negative. Meine erste Reaktion darauf war allerdings: Oh mein Gott, was ist das?? Dann verstand ich aber die Musik, nachdem ich es ein paar Mal gehört habe. Und wenn wir so einen Effekt mit "Enter" erzielen, ist das doch gut! Denn viele Fans fingen erst mit "Ice Queen" an, uns wahrzunehmen." plaudert Sharon froh gelaunt aus dem Nähkästchen.

 
Nach der Menge an Vergangenheitsbewältigung wird es nun Zeit, über Zukünftiges zu reden. Zwei Optionen bleiben Within Temptation offen: Wie einige Bands, die nun ein reales Orchester nutzten können sie einen noch gewaltigeren Weg einschlagen (so wie es Nightwish vorhaben, siehe dazu auch das Interview 10/2004) oder bewegen sich ab vom Orchestersound und gehen wieder ein wenig mehr "back to the roots" wie z.B. Cradle Of Filth. "Wir trafen Timo Tolkki im Hotel in Finnland und sprachen mit ihm über Musik. Ich sagte ihm, dass ich für eine ganze Weile meine Leidenschaft für Musik verloren habe. Nicht im Sinne von Musik machen, aber es gibt zu viele Bands, die einfach nicht gut sind. Auch konnte ich die Musik nicht mehr genießen, habe alles analysiert und konnte nicht mehr das gesamte Bild sehen. Als wir mit "The Silent Force" begannen, kam diese Fähigkeit erst wieder zurück. Wir haben jetzt bereits einen Song geschrieben, der sehr heavy und schnell ausgefallen ist. Wenn der Rest des Albums genauso wird, dann wird es um einiges härter, lauter. Es wird so wie die Musik, die wir jetzt machen, aber mehr orchestral-härter. Ich weiß noch nicht, ob wir wieder ein Orchester benutzten, denn wir haben alles Geld für diese Platte ausgegeben!" lacht Sharon herzhaft.
 
Zum Abschluss wollen wir von Whiskey-Soda noch einen Expertenrat in Sachen 24-Stunden-Beziehung von der Frontfrau der Gothic Metal-Institution einholen, schließlich funktioniert die Beziehung zwischen ihr und Robert Westerhold scheinbar tadellos und das obwohl das Paar zusammen arbeitet, die Freizeit teilt als auch noch auf der Bühne gemeinsam agiert. "Das sieht nur so aus, haha. Wenn ich mit Robert nicht in einer Band wäre, würde ich meinen Freund fast nie sehen. Die Wahrheit ist: Wenn wir zuhause sind, ist es schwer, dass wir uns sehen, denn wir arbeiten dann in verschiedenen Räumen an neuer Musik. Private Zeit zusammen ist schwer zu finden, denn wir haben unsere Familien seit ewigen Zeiten nicht gesehen. Ich haben meine Eltern an Weihnachten nur einmal in zwei Wochen gesehen. So hat man nicht viel Freizeit zusammen. Auf Tour sieht man sich 24 Stunden, aber der Rest der Band ist auch immer da, so bleibt auch hier nicht viel Zeit für private Dinge. Der eine ist auf der Bühne und erledigt dort Dinge, der andere macht Interviews, der eine hilft dann wieder beim Merchandising. So läuft das, das ist die Wahrheit!" lacht die Holländerin und beginnt langsam mit den Konzert-Vorbereitungen.
 
   

Knapp drei Stunden später sind nun auch die beiden jungen Fans mit dem Warten vor der Halle erlöst und die Gothic Metal-Formation Autumn beginnt pünktlich um 20 Uhr mit ihrer 30-minütigen Darbietung vor einer fast ausverkauften Columbiahalle. Aufgrund der pompösen Bühnenbauten unserer holländischen Gothic Metal-Lieblinge Within Temptation müssen sich Autumn mit einer recht kleinen Fläche der Bühne begnügen, was ihrem schwelgerischen Material des Debüts "When Lust Evokes The Curse" und des bald erscheinenden Albums, sinnigerweise "Summer´s End" benannt, keinen Abbruch tat. Eines kann man der Band nicht vorwerfen: Monotones Moll-Riff-Geschrubbe findet man in den Kompositionen vergeblich, dafür etliche ruppige Akkorde und klassische Gitarren-Leads der Marke Iron Maiden bzw. Paradise Lost zu "Draconian Times"-Zeiten. Frontfrau Nienke de Jong setzte auf ein schickes Kostüm der Marke Businessfrau von Nebenan und versuchte die Masse mit einer warmen, kraftvollen Stimme zu bewegen. Zwar wurden Autumn von Beginn an mit herzlichem Applaus bedacht, der jedoch zurückhaltend ausfiel. Grund dafür könnte gewesen sein, dass die sakralen Keyboards fast völlig untergingen, die Stimme der Frontfrau penetrant laut war und im Verlaufe des Auftritts immer jammernder erschien als auch das Ansiedeln der Songs im gemäßten Midtempo-Bereich. Richtige Stimmung kam immer dann auf, wenn wie in "Silent Madness" die Band endlich das Tempo anzog und schnelle Doublebass-Passagen melodiöse Gitarren antrieben und sich der Basser aufmachte, grollend den Herbst zu verkünden, während das Tasteninstrument orgelte. Alles in allem recht bieder.

 
Within Temptation setzten von Beginn an auf die neue Platte "The Silent Force", deren Stücke fast das komplette Konzert bestimmten. Das bombastische Intro eröffnete für "See Who I Am", welches in perfektem Sound erschien. Bühnenbild, Lichtshow, der künstlerische Aspekt als auch Abmischung der Instrumente lagen im Level der Verkaufszahlen des aktuellen Albums, auch wenn die gute Sharon zu Beginn auf dem Weg zur Bühne mit ihrem weiten Kleid am Treppengeländer hängen blieb. Dies blieb allerdings unentdeckt, sahen sich doch gut 95 Prozent der Anwesenden an der Bühnendekoration satt. Zwei überdimensionale Engel flankierten die Seiten, in der Mitte prangte eine riesige Leinwand, auf die ein Beamer passend zu den Stimmungen der Songs osmose-artige mystische Sequenzen projezierte, die an die Option vom Windows Media Player erinnerten, oder Flugreisen durch Wüsten, Täler und Seen. Auch die jeweilige Lichtauswahl war bestens abgestimmt auf die Atmosphäre des Stückes, welches in eine individuelle Farbe getaucht wurde. Eine Säule mit Blätterranken hinter Drummer Stephen und Luftschächte am Boden, die die jeweilige Person beim Posen optisch optimal unterstützte durch Wind, Nebel oder dämonisch violettes Licht, komplettierten das Bild. Die von einer Erkältung geplagte Sharon den Adel meisterte die dunkel-epischen Schmachthymnen ohne Anzeichen der sich in Skandinavien eingefangenen Krankheit, förderte die Interaktion mit dem Publikum durch ihre typischen Gestiken, die von verzweifelt über fordernd, bittend bis ekstatisch das euphorische Publikum in ihren Bann zog. "Jillian", "Pale", "Memories" sowie fast alle anderen Songs des aktuellen Albums ertönten, nach 45 Minuten kam dann zur Überraschung bereits "Stand My Ground". Wer bereits zu einem so frühen Zeitpunkt des Auftritts einen Hit solchen Kalibers spielt, hat entweder genug Selbstvertrauen oder einen monumentalen Hitfundus. Within Temptation fallen in beide Kategorien, denn mit "The Promise" folgte ein alter Bekannter. Fans der beiden älteren Scheiben mussten sich eine Weile gedulden, bestimmte die Vergangenheit doch erst den zweiten Teil des Sets. Das Kate Bush-Cover "Running Up That Hill" und "Mother Earth" beschlossen den offiziellen Teil, ohne dass Gitarrist Robert nur einmal sang. Als Zugabe wurde sich für mächtige "Deceiver Of Fools" sowie "Aquarius" entschieden, dann endlich erhielt auch der Gitarrist ein Mikrophon und die ersten Grunts des Gigs erschallten bei "Other Half (Of Me)", leider jedoch zu leise. Die zweite Zugabe stand ganz im Zeichen der Vergangenheit der Band, ein Song des Debüts sowie "Ice Queen" verbreiteten noch einmal Partylaune mit einer Band, die merklich Spaß untereinander und auf der Bühne hat. Punkte, die es zu kritisieren gibt, sind rein subjektiv. Ich persönlich hätte mir mehr Nebel und massivere Lichteffekte gewünscht, dazu vermisste ich schmerzlich die Übersongs "Enter" und "The Dance". Da man aber nicht alles haben kann, ist auch einzusehen, dass man eher die Songs von einem Platinalbum spielt anstatt die eines Debüts, welches von den Verkaufszahlen her weit im Schatten steht. Dennoch: Danke an Within Temptation für einen denkwürdigen Abend!