´Within Temptation
„Silent Force“-Tour
26.02.´05 Dresden

“Sold out! Ausverkauft! Gerammelt voll!” war der Alte Schlachthof in Dresden am gestrigen Samstag, dem 26.02.2005. Da meine Versuche, irgendwelche Größen oder Mitglieder von Menschenmassen zahlenmäßig einzuschätzen, nie besonders erfolgreich und realitätsnah ausfielen, lasse ich es auch in diesem Fall und hoffe darauf, dass dem ein oder anderen meiner geneigten Leser der Schlachthof inkl. großem Saal nicht unbekannt ist. Wie wir bereits bei unserem Interviewtermin am Nachmittag feststellten, warteten die hartgesottensten Konzertteilnehmer schon seit eben dem erwähnten Nachmittag. Ein großes Lob an so viel Durchhaltevermögen, denn wie Sharon den Adel während des Interviews bekannte, hat auch die Band so ihre Probleme mit dem andauernden Winter hier. Wir hoffen, der Aufenthalt im Schnee wurde mit einem Platz in der ersten Reihe belohnt.
Die erste Reihe fiel am gestrigen Abend nicht nur durch bloßes Eng-aneinander-gereiht-Sein, sondern auch mit den unermüdlichen Versuchen, eine Sharon beim Gesang zu unterstützen, auf. Textsicherheit war, wie ich aus ebenfalls sicherer Quelle erfahren konnte, vorhanden, jedoch bitte, nicht noch mal so viel Katzenjammer auf einem Haufen! Auch wir haben erkannt, dass Sharon den Adel durch eine einmalige und glasklare Stimme glänzt und eben weil das so ist, hätten wir gern sie und nicht Euch da vorn gehört. Denkt doch mal bitte an das arme Fotografenvolk! Im Vergleich zur letzten Show, die Wave of Darkness auf dem Woodstage Festival 2004 zu sehen bekam, hatte man das Bühnenbild zwar nicht grundlegend verändert, jedoch etwas erweitert. Vermutlich dank der sehr guten Resonanzen auf das aktuelle Album “The Silent Force” konnte man etwas mehr in den technischen Bereich investieren und beeindruckte mit Videoanimationen, die wohl am besten unter die Überschrift “Welt der Wunder” passen würde.
Zu jedem Song begab sich der Zuschauer in eine neue Landschaft, sei es ins Meer zu “Aquarius”, in eine Gewitternacht zu “Gillian” oder in eine Eislandschaft zum letzten Stück “Ice Queen”. Was sich die Band da hatte einfallen lassen, passte mehr als gut ins Gesamtkonzept und stellte eine wunderbar stimmungsvolle Ergänzung zur Beleuchtung dar, bei der ebenfalls sämtliche Facetten bedient wurden. Einzig die Pyro-Show fehlte, das aber wohl auf Grund der Lokalität, in der man sich befand. Doch im Gegensatz zum Woodstage war eine zusätzliche Wärmequelle auch nicht notwendig, denn der vollgestopfte Saal des Schlachthofs sorgte himself schon für höhere Temperaturen. Wem das noch nicht genügte, der hatte immer noch die reichhaltig vorhandenen Möglichkeiten, sich von der Musik mitreißen zu lassen. Kraftvoll und energiegeladen präsentierten sich Within Temptation.
Man verzichtete abseits der aktuellen Single „Memories“ und dem Song „Farewell“ vom zweiten Album „Mother Earth“ – meiner Meinung nach leider – auf die wunderbar klingenden Balladen und wollte ganz und gar durch Songs der härteren Gangart überzeugen. Und das taten die Dame und die Herren da auf der Bühne... Das Publikum dankte es mit großem Applaus nach jedem Stück, über den sich die Band augenscheinlich sehr freute. Jedoch vermisste ich am Anfang etwas das nicht-animierte und daher völlig spontane Mitklatschen. Viele der Songs hätten dafür doch eine ideale Gelegenheit geboten. Vielleicht waren wir aber einfach nur zu beeindruckt davon, was da an Musik, Ausstrahlung und natürlich visuellen Effekten präsentiert wurde. Irgendwann gab das Dresdner Publikum aber seine Distanz auf und spätestens bei mitreißenden Stücken wie dem Kate Bush – Cover „Running up that Hill“, „Stand my Ground“ oder „Mother Earth“ funktionierte dann auch das Von-allein-Begeistertsein.
Begeistert wären auch wir gewesen, hätten wir die Gelegenheit gehabt, Sharon in dem Moment fotographisch abzuschießen, als sich wie auch in Glauchau ein Stofftier auf den (Luft-)Weg zur Bühne machte. Kritische Beobachter gaben bekannt, dass es sich beim unbekannten Flugobjekt um eine Diddl-Maus gehandelt hat, die von einer strahlenden Sängerin in Empfang genommen wurde. Nach etwa 2 Stunden und der letzten Zugabe „Ice Queen“ verabschiedete sich eine begeisterte Band von ihrem begeisterten Publikum. Wir hätten sie gern noch länger bei uns gehabt, denn waren doch gerade so schön in Stimmung. Ich erlaube mir ein allgemein gefasstes Urteil und gebe bekannt, dass meiner Meinung nach wohl niemand etwas an diesem musikalischen Erlebnis auszusetzen gehabt hat. Spätestens auf seine Kosten kam das Fanvolk nach dem Konzert, als Within Temptation vollständig zum Autogrammegeben antraten. Ein Argument für den Eindruck, der sich mir an diesem Tag aufdrängte... Within Temptation wird vermutlich noch oft der Vorwurf gemacht werden, zu oft im Kommerz- und Chartsbereich anwesend zu sein. Jedoch sollte all das beiseite gelassen werden, denn wenn die Band sich um etwas bemüht, dann sind es nicht mehr und mehr Plattenverkäufe, sondern es ist einzig die Musik, die im Mittelpunkt steht. Musik, die mitreißt und zu schönsten Gefühlsausbrüchen anregen kann. Dies von einer Band, die wir von WOD einfach nur lieb gewinnen konnten.

Bericht und Fotos: Raggi