Sharon den Adel........im Schwatzkasten von Rock Hard
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SHARON DEN ADEL ist alles andere als ein empfindliches Gothic-Püppchen. Schon als kleines Kind tingelte sie mit ihren Eltern durch arabische Länder, trieb strenge Koran-Lehrer in den Wahnsinn und verteidigte die Schwachen. Beim Kampf um den heißesten Typen der Schule arbeitete die Within-Temptation-Frontfrau mit allen Tricks und schreckte auch vor romantisch-kitschigen Anmachen nicht zurück. Wenn zu viel Rotwein ins Spiel kommt, ist mit dem singenden „meisje“ allerdings nicht mehr zu rechnen. Davon kann auch Bandkollege Robert Westerholt ein Lied singen, der seine beschwipst lallende Freundin nach einer zu exzessiven Party zurück in den Tourbus tragen musste.
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Sharon, wie und wo bist du aufgewachsen?
»Ich habe einen Teil meiner Kindheit im Ausland verbracht, denn der Job meines Vaters führte meine Familie ständig in exotische Länder wie Indien, Syrien und Jemen. Als ich anderthalb Jahre alt war, zogen wir nach Indien. Dort lebten wir vier oder fünf Jahre, und ich besuchte den Kindergarten. Nach einem kurzen Abstecher in unsere Heimat Holland ließen wir uns im Jemen nieder, wo ich zur Schule ging. Zunächst schien unser Aufenthalt in diesem arabischen Land problemlos abzulaufen. Mein Englisch verbesserte sich innerhalb kürzester Zeit, und ich schien mich gut eingewöhnt zu haben. Doch dann stellten meine Eltern mit Schrecken fest, dass ich begann, wie ein Araber von rechts nach links zu schreiben - egal, um welche Sprache es sich gerade handelte. Außerdem weigerte ich mich, in der Schule den Koran zu lesen. Weil es so nicht weitergehen konnte, versuchte meine Mutter, mich selber zu unterrichten. Aber auch das funktionierte nicht, weil sie viel zu nachsichtig war.
Schließlich zog ich mit meiner Mutter zurück nach Holland. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa zehn Jahre alt. Mein Vater arbeitete weiterhin im Ausland, und so kam es, dass er manchmal jahrelang von uns getrennt lebte.
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Zurück in meiner Heimat, ergaben sich schnell die nächsten Probleme. Ich hinkte beim Schulstoff hinterher und konnte mich nicht gut konzentrieren. Ich war es nicht gewöhnt, mit 30 anderen Kindern unterrichtet zu werden und leise zu sein, wenn der Lehrer redet. Die ganze holländische Kultur war mir fremd, und ich fand nur sehr schwer Freunde. Viele Kinder hatten bereits eigene Cliquen gebildet, und ich stand oftmals wie ein Außenseiter am Rand. Das war eine sehr harte Zeit für mich. Paradoxerweise fiel es mir in meiner Heimat Holland schwerer, Spielgefährten zu finden, als in allen anderen Ländern, die ich zuvor kennen gelernt hatte. Meine Klassenkameraden betrachteten mich wie eine Fremde, weil ich anders aussah und Klamotten trug, die in Europa gerade nicht angesagt waren. Ich passte nicht dazu, aber irgendwie wollte ich das auch gar nicht.
Durch die vielen Umzüge fühlte ich mich sowieso nicht so stark an eine soziale Gruppe gebunden. Ich lernte, unabhängig zu sein und mich durchzuschlagen. Dennoch sehnte ich mich immer nach Freunden. Im Ausland hatte ich viele Kinder getroffen, die in der gleichen Situation wie ich waren und sich mit ihrem Schicksal arrangierten. An die holländische Mentalität musste ich mich allerdings erst mal gewöhnen. Meinem älteren Bruder fiel es viel leichter, Anschluss zu finden.« |
| Sind ein paar Sprachbrocken von deiner Zeit im Jemen und in Indonesien hängen geblieben?
»Ich konnte damals ein wenig Indonesisch. „Evil“ heißt dort witzigerweise „Mutter“. Ein paar Vokabeln sind mir in Erinnerung geblieben, aber das meiste habe ich vergessen. Wenn man als Kind von Land zu Land zieht, bleibt einem die Sprache nur selten im Gedächtnis. Im Jemen lernte ich, Arabisch zu schreiben. Ein paar Worte sind sogar hängen geblieben, aber den Großteil der Sprache habe ich wieder verlernt.«
Hast du eigentlich selber exotisches Blut?
»Meine Großmutter war Jüdin, deshalb habe ich jüdisches Blut. Allerdings praktiziere ich den Glauben nicht mehr.«
Gehörtest du in der Schule zu den Strebern oder zu den Chaoten?
»Ich gehörte zu keiner Gruppe, weil ich nirgendwo richtig reinpasste. Bei Streitereien ergriff ich allerdings immer für die Schwächeren Partei. Beliebter wurde ich dadurch nicht. Ganz im Gegenteil: Dieses Verhalten drängte mich noch mehr in die Außenseiterposition. Inzwischen glaube ich, dass diese Rolle zu mir passt. Ich bin ein wenig anders, und das stört mich auch nicht mehr. Eigentlich macht es mich sogar ziemlich stolz.«
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Was war der schlimmste Job, den du je hattest?
»Nach der Schule fand ich zunächst keinen Job. Weil die Arbeitslage zu diesem Zeitpunkt in Holland sehr schlecht war, musste ich jedes Angebot nutzen, um ein wenig Geld zu verdienen. Nachdem ich Zeitungen ausgetragen hatte, begann ich, in einer Keksfabrik zu arbeiten. Das war eine ziemlich stumpfe Beschäftigung, weil ich nichts weiter machte, als Plätzchen in Kisten zu packen.«
Wie bist du zum ersten Mal mit harter Musik in Berührung gekommen?
»Im Alter von 18 Jahren machte ich mit Freunden Urlaub auf einem deutschen Campingplatz. Dort lernten wir ein paar Metaller kennen, aus deren Musikanlage ständig Platten von Cathedral, Death und Metallica dröhnten. Ich hörte zum ersten Mal in meinem Leben Death-Metal-Growls und fand sie auf Anhieb sehr cool. Wenig später lernte ich in der Schule Robert (Westerholt, Gitarrist von Within Temptation und Freund von Sharon - cs) kennen, der mit seiner alten Combo The Circle gerade einen Deal erhalten hatte. Die Musik klang so ähnlich wie Within Temptation. Als ich mit meiner Schulband einen Auftritt hatte, sah mich Robert singen. Er fragte mich sofort, ob ich Lust hätte, als Gastsängerin mit The Circle zu arbeiten. Ich sagte zu, und es dauerte nicht lange, bis wir ein Liebespaar waren. Robert beendete The Circle und gründete mit mir Within Temptation.«
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Wie verlief das peinlichste Konzert eurer Karriere?
»Wir haben uns nie wieder so blamiert wie bei der ersten Within-Temptation-Show. Wir strotzten nur so vor Selbstbewusstsein, weil unser erstes Demo sehr gute Kritiken erhalten hatte, und wollten unbedingt live spielen. Am Nachmittag vor dem Auftritt war ich total aufgeregt. Obwohl wir zum ersten Mal auf der Bühne standen, eröffnete sogar eine Vorband den Konzertabend. Die Jungs waren alle noch im Teenageralter, spielten aber extrem routiniert und brachten den Club zum Kochen. Wir machten uns fast in die Hose, weil wir nicht wussten, wie wir das noch übertreffen sollten. Natürlich erwartete jeder vom Headliner, dass er das Highlight des Abends ist. Im Endeffekt war unser Auftritt ganz okay, aber der Support-Act hatte uns trotzdem die Show gestohlen. Wir wären vor Scham am liebsten im Boden versunken.«
Was ist deine beste, was deine schlechteste Charaktereigenschaft?
»Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch. Das kann man sowohl als positive als auch als negative Charaktereigenschaft werten. Manchmal äußere ich meine Meinung nicht sonderlich taktvoll. Das hat mir schon viel Ärger eingebracht.«
Wann hast du das letzte Mal geweint?
»Als eine meiner Katzen gestorben ist.«
Was war die größte Enttäuschung in deinem bisherigen Leben?
»Ich war sehr enttäuscht, als sich herausstellte, dass Menschen, die ich für meine Freunde hielt, nicht meine Freunde waren. Diese Erfahrung hat mich innerlich zerrissen. Gleichzeitig wurde ich aber auch inspiriert, den Song ´Angels´ zu schreiben. Es ist wichtig zu wissen, auf wen man sich verlassen kann.«
Was wäre für dich ein Albtraum?
»Menschen zu verlieren, die ich sehr liebe.«
Glaubst du, dass du schon mal gelebt hast?
»Manchmal drängt sich dieser Gedanke geradezu auf. Hin und wieder träume ich von Orten, die ich wenig später tatsächlich besuche. Ich bin jedes Mal überrascht, wenn mir eine Situation bekannt vorkommt, und gerate ins Grübeln. Natürlich gaukelt uns unser Gehirn von Zeit zu Zeit etwas vor, aber woher weiß man, was Einbildung ist und was nicht?«
Wofür gibst du viel Geld aus?
»Als Frau kaufe ich natürlich gerne Klamotten. Außerdem gebe ich viel Geld für DVDs sowie Kino- und Restaurantbesuche aus.«
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| Sammelst du etwas?
»In den Augen meiner Mutter sammle ich angeblich alles. Zu Hause habe ich große Kisten voller Kram, in die ich zwar seit Jahren nicht mehr reingeguckt habe, die ich aber nicht wegwerfen will, weil mich ihr Inhalt an besondere Momente erinnert. Sogar mein erstes Bühnenkleid besitze ich noch. Ich habe noch nie ein Within-Temptaton-Outfit weggeworfen. Inzwischen dürften es 21 oder 22 Kleider sein, die sich bei mir zu Hause stapeln. Eigentlich ist es wirklich lächerlich, alles zu behalten; inzwischen platzt mein Kleiderschrank aus allen Nähten. Mit Robert hatte ich deswegen schon zahlreiche Diskussionen.«
Hast du neben deinem Job Zeit für Hobbys?
»Ich male ganz gerne und bin süchtig nach Büchern. Außerdem verbringe ich viel Zeit in der Natur. Ich liebe es, am Stand entlang oder durch den Wald zu spazieren und in meinem Garten zu arbeiten. Nebenher kümmere ich mich um meine zwei Katzen. Die beiden sind echt verrückt, weil sie wie Hunde ausgeführt werden wollen. Wenn ich nicht zweimal täglich mit ihnen Gassi gehe, sind sie unerträglich. Die Leute lachen mich immer aus, wenn ich mit meinen Miezen durch die Straßen spaziere.«
Würdest du dich für den „Playboy“ ausziehen?
»Ich habe tatsächlich schon das Angebot bekommen, mich für den „Playboy“ auszuziehen, aber das käme für mich niemals in Frage. Das wäre mir einfach zu privat. Stell dir vor, ich sitze in einer Autogrammstunde, und plötzlich legt mir ein Fan ein Nacktfoto von mir vor und fragt mich, ob ich auf meiner Pussy unterschreiben kann! Das wäre mir total peinlich! Man muss einen sehr starken Charakter haben, um mit den Folgen eines solchen Foto-Shootings umgehen zu können. Ich glaube, damit würde ich nicht klarkommen. Ich bin wirklich nicht prüde, aber der „Playboy“ wäre mir eine Nummer zu heftig.«
Wie überzeugst du einen Mann, eine Nacht mit dir zu verbringen?
»Die meisten weiblichen Strategien und Tipps, um einen Mann rumzukriegen, habe ich vergessen, weil ich schon seit fast zwölf Jahren mit Robert in einer festen Beziehung lebe. In dieser Angelegenheit hinke ich mit meinem Wissen ziemlich hinterher (lacht). Ich erinnere mich aber noch gut, wie ich Robert erobert habe: Wir spielten zusammen in einer Schulband, und ich spürte, dass er mich mag. Blöderweise war ich nicht die einzige Frau, der er es angetan hatte. Ihm rannten eine ganze Menge Mädels hinterher. Das war echt doof. Sogar einige meiner Freundinnen himmelten ihn an, obwohl sie eigentlich vergeben waren. Doch irgendwann haute ich mit der Faust auf den Tisch und sagte: „Der gehört mir!“
Bei einem Schulkonzert sollte ich eigentlich ´The Rose´ von Bette Midler singen. Doch wegen einer heftigen Prügelei musste der Gig leider abgebrochen werden. Beim Verlassen der Halle hatte ich immer noch eine Rose bei mir, die für den Auftritt gedacht war. Als Robert an mir vorbeiging, drückte ich sie ihm in die Hand. Das war sehr romantisch.«
Was ist das verrückteste Gerücht, das du je über dich gehört hast?
»Ich höre sehr oft, dass ich angeblich schwanger bin. Insbesondere vor ein paar Jahren, als ich ein bisschen molliger war und bei einem Foto-Shooting ein unvorteilhaftes Kleid trug, brodelte die Gerüchteküche. Einerseits amüsierte ich mich über diese Geschichte; andererseits wurde mir aber auch klar, dass ich mehr für meine Figur tun muss.«
Was war dein verrücktestes Drogenerlebnis?
»Ich trinke normalerweise keinen Alkohol, weil mein Körper nur sehr wenig verträgt. Ein paar kleine Schlucke sind okay, aber nach zwei Drinks bin ich meistens schon total besoffen und mache Blödsinn. Vor ein paar Jahren waren wir mit Paradise Lost in Österreich auf Tournee. An einem Abend landeten wir in einem Gothic-Club, der sehr coole Musik spielte. Ich hatte total viel Spaß, wirbelte ständig über die Tanzfläche und hatte den Tag über nur sehr wenig gegessen. Irgendwann drückte mir jemand einen riesigen Becher Rotwein in die Hand. Das war mein Verhängnis. Als ich den Wein intus hatte, lag ich schon fast auf dem Boden. Ich war noch nie in meinem Leben so betrunken. Robert musste mich zum Bus tragen und mir auf die Toilette helfen, weil ich nicht mehr in der Lage war, alleine zu gehen oder zu sitzen. Ich hatte komplett die Kontrolle über meinen Körper verloren. Da mir die ganze Sache aber trotzdem viel Spaß machte, begrüßte ich Robert mit einem grinsenden „Hellööööö honey!“, laberte Schwachsinn und verlangte nach mehr Wein. Das war wirklich peinlich. Seltsamerweise konnte ich mich am nächsten Tag an alles erinnern. Sogar Details blieben mir im Gedächtnis.« (Schluck! - Red.)
Was glaubst du, wie dein Leben in zehn Jahren aussehen wird?
»Ich bin mir sicher, dass ich auch in zehn Jahren noch Musik machen werde. Allerdings sollte auch die Familie nicht zu kurz kommen. Für manche Musiker gibt es nichts Wichtigeres als ihre Band, aber ich glaube, dass das Leben noch mehr zu bieten hat.«
Kannst du dir vorstellen, eine eigene Familie zu haben?
»Ein oder zwei Kinder wären ganz okay. Ich finde es wichtig, neben der Musik noch einen anderen Lebensinhalt zu haben. Sicherlich werde ich aber auch mit einer Familie noch Teil der Musikszene sein. Ich weiß nur noch nicht, in welcher Form.«
Welcher Song sollte bei deiner Beerdigung laufen?
»Ich würde mir den Song ´Lacrimosa´ vom polnischen Komponisten Preisner wünschen. Wir spielen dieses Stück immer nach unseren Shows. Es ist sehr dramatisch und heavy. Danach sollte aber wieder eine fröhlichere Nummer laufen. Schließlich geht das Leben auch nach einer Beerdigung weiter.«
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| Autor: Conny Schiffbauer für Rock Hard |
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