DELAIN – Konzert am 20.10.06 in Gouda / Ein 24-Stunden Report


Hasenjagd in Waddinxveen
Es ist nach Mitternacht, weit nach Mitternacht! Es dürfte so etwa 02.00 Uhr sein,
als sich unsere kleine DARK WINGS Gruppe, bestehend aus DARKGRISU, MICHA und
meiner Wenigkeit, dem letzten Etappenziel des Tages nähern. Kurzentschlossen haben wir uns zu einer kleinen Stadtrundfahrt durch Waddinxveen entschieden um dort das berühmteste
Gebäude des Ortes in Augenschein zu nehmen. Doch kurz vor der Ortseinfahrt kam ein unerwartetes Hindernis auf uns zu. Ein kapitaler Hase erschien im Lichtkegel von Michas Mercedes Coupe und lief uns voraus. Doch die Strasse zog und zog sich, ohne das „Meister Lampe“ Anstalten machte uns freie Fahrt zu gewähren.
Wir näherten uns einer Kurve, vielleicht war das unsere Chance! Und tatsächlich, der Hase schien weiter geradeaus laufen zu wollen. Doch plötzlich schien er es sich anders zu überlegen. Da brachte Micha sein ganzes fahrerischen Können auf, ein kurzer links-rechts Schlenker, eine Täuschung hier, eine Täuschung dort – und der Hase war überlistet.
Waddinxveen war größer als von uns vorher angenommen, doch „Luna“ führte uns kompromisslos zu unserem Ziel. Da lag es nun – unscheinbar und ruhig. Ja, aus dieser
Tür war unsere Sharon kommen, als sie in den Tourbus für das Rock Wechter stieg. So hatten wir es auf der Mother Earth Live-DVD gesehen. Jetzt war alles ruhig. Doch gleich würden Roberts Bruder Martijn und Charlotte hier eintreffen um hier zu übernachten. Glück für sie, das ihr Auftritt in Gouda in gerade mal 8 Kilometer Entfernung stattfand.
Für uns hieß es jetzt aber endgültig kehrt zu machen und nach hause zu fahren, denn es lagen noch fast 300 Kilometer vor uns. Ein ereignisreicher Tag neigte sich also dem Ende zu


Ruhrpott im Fußballfieber
DARKGRISU war schon sehr, sehr lange unterwegs. Ihr Flug von Wien nach Düsseldorf verlief reibungslos, ausgenommen einer kleinen Verspätung. Nun hieß es für sie den Zug nach Essen zu nehmen, na ja das waren ja nur ein paar Kilometer. Tja, eigentlich keine weltbewegende Sache, wenn an diesem Tage nicht das Fußballfieber im „Revier“ grasieren würde. Denn an diesem Abend spielte der BVB in Dortmund gegen Bochum und 75000 Fans machten sich auf den Weg zum Stadion. Und eine sehr, sehr große Meute schien von außerhalb zu kommen. Eingequetscht in die Massen erreichte darkgrisu schließlich ihr Ziel
und brauchte jetzt nur noch einen Bekannten in Essen aufzusuchen bei dem sie übernachten wollte.
Einen Zug später machte auch ich (The Circle) mich auf den Weg von Düsseldorf nach Essen.
Zwischen schwarz-gelben Trikots fand ich tatsächlich noch einen Stehplatz und war froh als sich der Zug mit 15 minütiger Verspätung in Bewegung setzte. Doch spätestens bei der nächsten Station, Düsseldorf-Flughafen, war Schluss mit Lustig!
Die Türen schlossen nicht mehr aufgrund der Zustiege, und die Bierfässchen wollten ja auch untergebracht werden. Schließlich ging es im Schneckentempo dann doch irgendwie weiter.
Gut das ich einen kleinen Zeitpuffer hatte, Micha wollte mich um viertel vor Sieben am Essener Hauptbahnhof einladen, nachdem er vorher darkgrisu abgeholt hatte.
Unsere Zusammenkunft klappte reibungslos und jetzt konnte es endlich in Richtung Holland gehen. Doch „Luna“ meldete Staus rund um Essen, sodass bis Oberhausen erst einmal Landstrasse angesagt war.
Kaum auf der Autobahn fing es kräftig an zu pis... !! Also erst einmal runter vom Gas!
Doch kurz nach der Grenze zeigte sich der Sternenhimmel. Nun hielt uns nichts mehr auf und wir fuhren um 21.15 Uhr in Gouda ein.


So What
Gouda – typisch holländisch. Überall kleine Häuser, enge Gassen und Grachten. Wirklich niedlich. Die Spielstätte, das So What, schien sich mitten in diesem Gassenwirwar zu befinden. Laut „Luna“ fuhren wir gerade dran vorbei, doch wo war die Halle?
OK, erst einmal war Parkplatzsuche angesagt. Wir bogen um die nächste Ecke als plötzlich eine uns allseits bekannte Person im Scheinwerferlicht erschien. Stefano, bei Dark Wings unter dem Synonym hhh bekannt, kam extra aus Mailand angereist.
Nach langer Suche fanden wir schließlich einen Parkplatz. Die Suche nach der Halle gestaltete sich nicht einfacher. Dann sah ich ein Plakat des Delain-Konzertes an einer Wand kleben. Nach vielfachem Drängen von darkgrisu sicherte ich mir das Plakat und entfernte es von der Wand. Weiter ging es bis zum Strassenende, keine Halle!
Auf dem Weg zurück sahen wir wie Martijn Westerhold in den Hintereingang des Gebäudes ging, an dem ich das Plakat entfernt hatte. Sollte ich somit den einzigen Hinweis auf die Spielstätte entfernt haben?
Durch einen schmalen Gang kamen wir tatsächlich vor die Tür des Clubs und stellten uns in der Reihe an. Ups, tatsächlich kam dann lange keiner mehr und ich ließ vorsichtshalber das Plakat unter meinem T-Shirt verschwinden.
In vorderster Reihe sah ich Erik Schepers, den einige noch vom Dutch Gotic Metal Festival in Osnabrück kennen.
Da es ein reiner Club war, war der Zutritt erst ab 18 Jahren erlaubt. Darkgrisu hatte es geschafft uns auf die Gästeliste zu bringen. Ron?, der Tourmanager von Delain begrüßte uns drei und führte uns Backstage, eine schmale Treppe hoch, zum Aufenthaltsraum von Delain.
Martijn Westerholt und Charlotte Wessels begrüßten uns wirklich herzlich, doch auch Ronald, Rob, Ray und Sander zeigten sich sehr gesprächig.
Ich fragte Martijn ob in Zukunft auch ein Konzert mit allen Projekt-Mitglieder, also mit Marco Hietala, Liv Kristine und Sharon geplant ist, was er zu unser aller Freude bejahte.
Leider könnten Sharon und Robert, trotz der geringen Entfernung nicht kommen, da sie derzeit voll mit dem neuen Album beschäftigt seien, welches allerdings nicht mehr in diesem Jahr erscheinen wird.
Martijn plauderte noch etwas aus dem Nähkästchen, was dem Tourmanager wohl nicht ganz so lieb war, und dann war noch eine Foto-Session angesagt. Darkgrisu überreichte noch Fotos vom ersten Delain-Konzert in Utrecht, worüber sich alle Bandmitglieder wirklich freuten.


Das Konzert
Der Club war gut besucht, Bühne und Fanbereich gingen ineinander über. Wir standen ziemlich vorne in der 2. Reihe, direkt hinter zwei Franzosen, die hauptsächlich wegen der Support-Band Morning angereist waren. Darkgrisu wersuchte sich wegen deranstehenden Fotos durchzumogeln was die beiden Franzosen aber zu verhindern wußten.
Morning wurde auf den Plakaten als die neue Bombast/Symphonic-Metalband angepriesen.
Meine Recherchen ergaben allerdings das es Morning schon etliche Jahre gibt und auch diverse Longplayer auf dem Markt sind.
Sängerin Saskia van Heugten rockte auch mächtig ab, hat sogar einige Grunts übernommen.
Morning klingen härter als vergleichbare Bands, wobei allerdings gerade die Gitaristen eher wie Schuljungen aussehen.
Ich war am überlegen ob ich mir das Album am Merchandise-Stand hohlen sollte, doch letztendlich waren mir die Songs doch nicht so melodiös und vielschichtig wie z.B. bei WT
oder Delain.


Kurz vor Mitternacht fingen dann DELAIN an zu spielen. Natürlich machte das introähliche
SEVER dabei den Anfang. Die Anlage des Clubs war ganz passabel, konnte aber mit dem gigantischen Sound des Tivoli in Utrecht (Delain´s erster Gig) nicht mithalten.
Charlotte Wessel´s Stimme war wieder glasklar. Es folgten die Single-Auskopplung FROZEN und SHILOUETTE OF A DANCER. Diesmal war George Oosthouk (ex Orphanage) nicht als Gastsänger dabei. Das machte auch nichts, denn Gitarist Ronald übernahm nicht nur diese Parts mit Bravour, sondern auch die Stellen von Marco Hietala, wie zum Beispiel bei
THE GATHERING. Bei NO COMPLIANCE wurde es interessant, denn Charlotte hat eine ganz andere Tonlage als unsere Sharon, die leider an diesem Abend nicht anwesend war. Doch gesanglich meisterte Charlotte auch diesen Part. Optisch machte auch Bassist Ron eine sehr gute Figur, besonders seine lange Mähne kam gut rüber. Mit SHATTERED, SLEEPWALKERS DREAM und PRISTINE wurden dann auch fast alle Songs des Albums gespielt.
Wie bei den meisten Konzerten war auch dieser Gig viel zu schnell zu ende. Doch da wir in einem Club waren, wurden wir natürlich nicht sofort hinausbefördert, wie leider allzuoft erlebt, sondern konnten bei einem Bierchen noch mit Band und Bekannten plaudern
Ich besorgte mir noch das Delain Bandshirt. Gitarist Ronald meinte das dieser erste Druck bald eine Rarität sei, da in Zukunft wohl Roadrunner die T-Shirts produzieren will.
So um 01.30 Uhr verließen wir den Club in Richtung Vaddinxveen (siehe oben).
Gegen 05.00 Uhr lieferte mich Micha dann zu hause ab.
Bleibt zu hoffen das der geplante Gig mit Sharon, Marco Hietala, Liv Kristine und George
Doch bald realisiert wird, denn dann sieht man uns drei mit Sicherheit wieder in Holland.

The Circle